Was die BoP-Fachkraftaus-bildung wirklich verändert: eine Fachkraft erzählt
von Kathrin Hohmann im Gespräch mit Stina Schumann
Veröffentlicht am 22.09.2026
Hallo Stina,
du hast die Fachkraftausbildung an der Bo-Akademie gemacht. Erinnerst du dich noch daran, wie du damals darauf aufmerksam geworden bist? Was war zu dieser Zeit dein Grund, dich anzumelden? Gab es etwas, das du verändern, vertiefen oder für dich klären wolltest?
Hallo Kathrin,
ohja das tue ich in der Tat ganz genau und erzähle es auch immer wieder. Als ich 2024 Kita Leitung geworden bin, haben ich mir überlegt wofür will ich stehen, wie sollen sich die Kinder bei mir in der Kita fühlen und wie möchte ich meine Fachkräfte begleiten, auch an sich arbeiten zu wollen. Ich hab das Buch „Kita(R)evolution- Zeit für Veränderung“ gelesen und war von dem Teil von Lea und dir gefesselt. Ich habe mich also auf den Weg gemacht nach Fortbildungen zu suchen und bin über die Fachkraft Ausbildung gestoßen und wusste das möchte ich für meine Kita, meine Kinder, meine Fachkräfte und für mich. Veränderung die bei jedem einzelnen, die im Inneren beginnt zum Umdenken anregt oder Fachkräfte, die sich selbst auf den Weg gemacht haben, darin zu stärken, dass sie nicht „alleine“ sind. Immer pro Kind!
Nicht zu vergessen und das ist mir sehr wichtig, dass ich für einen Träger arbeite, der dieses von Anfang an unterstützt hat, die Kosten übernommen hat und Leitungskolleginnen, die selbst sehr neugierig und offen für die BoP waren und sind.
Wenn du an den Beginn zurückdenkst: Wie war das, als du zum ersten Mal in diese Gruppe gekommen bist? Wie hast du uns, Lea, Kathrin und die anderen Teilnehmer:innen erlebt? Und wie hat sich dieses Gefühl im Laufe der sechs Monate verändert?
Das erste Mal war ich super aufgeregt, da ich mich in der Zwischenzeit weiter mit dem Thema beschäftigt habe, mir viel von Kathrin und Lea angeschaut und gehört habe und einfach ein kleines „Fangirl“ geworden bin. Und dann war ich einfach direkt begeistert. Von Kathrin und Lea und von der ganzen Gruppe.
Ich habe direkt gemerkt, hier entsteht etwas Großes, etwas Gemeinsames!
Diese Gefühl hat sich von Mal zu Mal mehr intensiviert. Trotz der Teilweisen großen Entfernungen, haben ich mich allen soooo nah und verbunden gefühlt. Die ein oder andere habe ich im Nachgang noch bei anderen Fortbildungen gesehen und es war direkt wieder dieses Gefühl von Verbundenheit da.
Die Ausbildung besteht aus sechs Modulen. Du hast dir jeweils die Videos angesehen, Fragen beantwortet, Feedbackbögen ausgefüllt und Übungen im Workbook gemacht. Wie hast du diese Mischung erlebt?
Für mich war das Format super. Ich konnte es in meinem Tempo, flexibel bearbeiten und meinem Privatleben gut anpassen. Besonders hat mir die Reihenfolge der Module gefallen, da sie aufbauend angeordnet sind und so für ein einfacheres Verstehen sorgen. Es macht einfach Sinn und ist mit Kopf, Verstand und ganz viel Herz entwickelt.
Gab es bei den Aufgaben oder Übungen Momente, in denen du gemerkt hast: Jetzt komme ich an einen Punkt, an dem sich etwas verändert?
Ab Modul zwei ging es los, da wir hier geschaut haben, was sind Gefühle und wo kommen diese her. Dieses hat, meiner Meinung nach, noch einmal unterstrichen, wie wichtig dieses Wissen für den Alltag ist und dass jede einzelne Fachkraft darüber Bescheid wissen muss. Natürlich nicht zu vergessen immer wieder die Blicke in die eigene Biografie. Wenn ich nicht bei mir anfangen etwas zu verändern, mich zu verstehen und verstehen zu wollen warum ich wie reagiere, kann ich es nicht von den Kindern erwarten oder sogar verlangen. Wenn ich mich als Erwachsene mit all meinem Wissen und meiner Erfahrung nicht regulieren kann, wie sollen Kinder es können?
Nach den Selbstlernphasen ging es immer wieder in den direkten Live-Kontakt. Wie wichtig waren diese Treffen für dich?
Auf diese Treffen habe ich mich immer ganz besonders gefreut. Der direkte Austausch mit Gleichgesinnten und mit Kathrin und Lea tat immer soooooo gut und hat sich schnell familiär gefühlt.
Die Ausbildung läuft über ca. sechs Monate und ist durchaus intensiv. Wie hast du das im Alltag erlebt? War es gut machbar? Gab es Phasen, in denen du dachtest: Das fordert mich gerade ganz schön? Und wenn ja, was hat dir geholfen, dranzubleiben?
Ich habe es im Alltag als sehr bereichernd erlebt und habe immer wieder Kleinigkeiten und Methoden im Alltag probiert und habe erlebt, wie es gerade bei besonderen herausgeforderten Kindern “funktioniert”, in Verbindung zu gehen - mit Klarheit und auf Augenhöhe. Der Gedanke „Ein Kind mit Wut, ist immer in Not“ hat mir dabei sehr geholfen.
Wenn du auf die sechs Module zurückblickst: Welches hat dich persönlich am stärksten bewegt und warum?
An sich jedes, aber gerade die ersten Module in denen es um das Verstehen von Gefühlen und Bedürfnisse und wo sie herkommen geht, warum Kinder so handeln wie sie handeln, ich bei mir anfangen muss und mir bewusst geworden ist, ein Kind kämpft nicht gegen mich, es kämpft für sich und seine Bedürfnisse, war eine absolute Erkenntnis und sorgt dafür, dass ich viele Situationen im Alltag anderes einordnen und reagieren kann. Es reicht so häufig sich dazuzusetzen und zu signalisieren, ich bin hier für dich und wenn du jetzt noch nicht möchtest, warte ich, bis du kommst. Ich bin hier für dich und lasse dich nicht allein - einfach in Verbindung und Beziehung gehen.
Gab es ein Modul, bei dem du vorher dachtest, dass es für dich vielleicht gar nicht so relevant ist, und das dich dann überraschend stark beschäftigt hat?
In der Tat nicht, da sie einfach so schön aufeinander aufbauen und dadurch dafür sorgen Kinder und mich selbst besser zu verstehen.
Erinnerst du dich an einen bestimmten Satz, eine Übung oder eine Diskussion, die dir bis heute im Kopf geblieben ist?
Enige:
„Ein Kind kämpft niemals gegen dich, es kämpft immer für sich“
„Kinder mit Wut sind immer in Not“
Das Eisbergmodell und die Eisbergsprache
Das Ja- Manthra
Selbstregulation vor Co-Regulation
Der Gedanke des guten Grundes
Und nicht zu vergessen er Ursprung des Wortes Aggression und das Wut und Aggression ein Antrieb sein kann, seine Ziele zu erreichen.
Gab es während der Ausbildung einen Moment, in dem du gemerkt hast: Mein Blick auf Kinder, Eltern, Mitarbeitende oder vielleicht auch auf mich selbst verändert sich gerade?
Auch hier von Anfang an. Von Modul zu Modul ein bisschen mehr. Meine größte Erkenntnis ist allerdings, dass mir bewusst geworden ist, ich kann noch so viel über Fachwissen verfügen, solange ich nicht bei mir anfange, mich zu hinterfragen und zu reflektieren, verändere ich nichts.
Viele Interessierte fragen uns vorab nach der Abschlussarbeit und haben davor durchaus Respekt. Wie ging es dir damit? Warst du vorher aufgeregt oder unsicher? Und wie hast du das Schreiben dann tatsächlich erlebt?
Zu sagen, ich wäre nicht aufgeregt gewesen, wäre gelogen. Als ich sie dann hatten und einmal überflogen bin, wusste ich, ich kann das! Durch all die Module, die Selbstreflektion und den Austausch mit der Gruppe und Kathrin und Lea war ich bestens vorbereitet. Ich habe mich ja weiterentwickelt und mein Blick auf die Kinder und die Situationen haben sich geändert. Wichtig, es geht nicht darum, perfekt zu sein. Fehler dürfen gemacht werden, ich muss sie nur annehmen und mich weiterentwickeln. Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf Morgen abgeschlossen ist. Es ist eine Reise zu sich und zu einer besseren Kindheit.
Und dann war die Ausbildungszeit irgendwann tatsächlich vorbei. Wie war dieser Moment für dich?
Traurig! Ich habe gerade die regelmäßigen verbindlichen Termine genossen, den Austausch.
Du bist selbst Kita-Leitung und hast ein neues großes Projekt und bringst diese Haltung ganz konkret in deinen Alltag ein. Gibt es eine Situation aus deiner Arbeit, bei der du heute sagen kannst: Hier merke ich ganz deutlich, dass mir die Ausbildung etwas gebracht hat?
Wie ich Kinder, mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen sehe und wahrnehme und dieses ganz deutlich an mein Team weitergebe. Ich erwarte professionell pädagogisches Handeln und eine professionelle Haltung. Es ist meine Verantwortung, meinem Team einen Koffer zu packen und mitzugeben, damit sie dieses können. Ich kann es ihnen allerdings nicht abnehmen, sich selbst auf den Weg der Selbstreflektion und Biographiearbeit zu machen.
Wir können uns nicht nur auf unser Bauchgefühl verlassen, auf unsere Intuitionen. Ich erwarte, dass sie ihr Handeln begründen können und mir sagen können, warum sie was tun, wie entscheiden.
Ich möchte mit Fachkräften zusammenarbeiten, die bereit sind, alles für Kinder zu geben und eine Kita zu erschaffen, die ein sicherer Ort für Kinder und auch für ihre Familien ist. Auf Augenhöhe, mit Verständnis und immer pro Kind.
Bei all diesen Punkten merke ich, ich bin klarer in der Kommunikation geworden, klarer in dem, was ich will und in dem was ich erwarte.
Ich möchte nicht mehr warten und hoffen, dass meine Mitarbeitenden wirklich verstehen, worum es mir geht. Ich will meinen Mitarbeitenden vertrauen, weil ich weiß sie verstehen die Kinder und sie handeln für die Kinder. Sie haben sich bewusst, für eine Stelle bei mir entschieden.
Gab es vielleicht auch eine Situation mit einem Kind oder mit Eltern, die du heute anders betrachten oder begleiten würdest als noch vor der Ausbildung?
Viele! Ich halte Kinder und ihre Wut aus. Ich verstehe zu verstehen, was gewesen ist, was sie vielleicht heute schon alles in ihren „Rucksack“ gepackt haben und dass dieser vielleicht heute schon sehr voll ist. Und dieses tue ich genau so für die Eltern.
Ich gehe immer davon aus, dass alles, was sie tun einen guten Grund hat. Das ändert jedoch nichts daran, dass es Situationen und Verhalten gibt, das nicht geht und ich dieses ansprechen muss. Dieses zu verstehen, sorgt für Verbindung und heißt aber nicht automatisch, dass ich dieses Verhalten entschuldigen werde.
Wenn du deine Erwartungen von damals mit dem vergleichst, was du heute mitgenommen hast: Ist das eingetreten, was du dir erhofft hattest? Oder war am Ende etwas ganz anderes besonders wertvoll?
Ja und so viel mehr. Ich wurde in meinem Gefühl, dass es so wie es ist nicht weitergehen kann, bestätigt, und haben das „Handwerkzeug“ bekommen, hier anzusetzen und zu verändern. Jetzt liegt es ausschließlich an mir, was ich im Alltag daraus mache.
Und wenn heute jemand die Ausbildung anschaut und noch unsicher ist: Was würdest du dieser Person sagen?
Lass dich darauf ein. Es wird ein Gewinn sein - für die Kinder, die Familien und vor allem für dich!
Es war uns eine große Freude, dass du dabei warst und wir sind dankbar auch weiterhin in Kontakt zu sein und die Bedürfnisorientierte Pädagogik in die Welt zu tragen, in der Fachkräfte unglaubliches leisten und besonders jetzt viel Unterstützung brauchen.
Über Stina Schumann
Ich bin Stina Schumann, staatlich anerkannte Erzieherin und mittlerweile Kita Leitung mit 3 Jahren Berufserfahrung. Mein Fokus neben der BoP sind Team- und Konzeptionsentwicklung, Partizipation und ein konsequenter Blick auf Kinderschutz, Kinderrechte und eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft.
Auf Augenhöhe, mit Vertrauen und immer pro Kind.
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